Die vergessene Mehrheit

Statistisch gesehen geht es uns allen weiterhin sehr gut

Nach der verzweifelten Inbrandsetzung eines Obdachlosen an Heiligabend und der darauf folgenden tagelangen Hetze in den sozialen Medien hat sich nun eine Stimme der Vernunft mit einem konstruktiven Vorschlag in die Debatte eingeschaltet. Die Integrationsbeauftragte Özugüz (SPD) forderte am Mittwochabend eine stärkere Förderung von jungen schutzsuchenden Geflüchteten um künftige Verzweiflungstaten zu verhindern. Erwartungsgemäß wurde Özugüz Vorschlag gleichermaßen von rechten Bedenkenträgern wie von differenzierten Kritikern abgelehnt. Während Rechte den Vorschlag aufgrund ihres Hasses ablehnen, warnen die Differenzierten vor einer Pauschalisierung aller Flüchtlinge als potenzielle Kriminelle.

Unterstützung erhielt Özugüz von dem Vorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamten (BDK), André Schulz. Auch er sieht primär die Deutschen in der Pflicht. Denn viele junge Schutzsuchende hätten sich in Deutschland ein besseres Leben erhofft, so Schulz. Es sei nun wichtig, dass Deutschland diesen Hoffnungen gerecht wird, und den Geflüchteten eine materielle und familiäre Perspektive bietet.

Bernhard Hoëcker verdeutlicht in der „NDR Talk Show“ bildlich wie unbedeutend ein paar Menschen sind.

Die Forderungen von Schulz und Özugüz sind sicherlich gut gemeint. Ein genauer Blick auf die Fakten zeigt jedoch, dass es sich bei der Gewalt der letzten Monate in Wirklichkeit um ein Scheinproblem handelt. Tatsächlich ist es statistisch höchst unwahrscheinlich, in der U-Bahn von Schutzsuchenden angezündet zu werden, wie interne Berechnungen des Morgengagazins belegen. Unter Nicht-Obdachlosen – immerhin die Mehrheit der Deutschen – liegt die Wahrscheinlichkeit sogar bei null Prozent! Bisher zumindest. Auch die Angst vor Terroranschlägen ist völlig unbegründet. Zwar muss in Zeiten der unaufhaltbaren Globalisierung mit fast hundertprozentiger Sicherheit davon ausgegangen werden, dass auch 2017 viele Deutsche einen Terrortod sterben werden, die allermeisten von uns werden aber vom Terror unberührt bleiben. Auch die zwölf Toten vom Breitscheidplatz fallen statistisch gesehen nicht ins Gewicht. Wenn man sich einen Raum mit 80 Millionen vorstellt, der von gerade einmal 12 Personen verlassen wird, würde das auch niemand merken.

Gerade in Zeiten des Populismus ist es deshalb besonders wichtig, dass wir aufhören Vorfälle, die nur einige wenige Menschen betreffen, zu einem Problem für die Mehrheit hochzustilisieren. In einer Demokratie stehen die Interessen der Mehrheit über denen der Minderheit, daher sollten wir unsere Einwanderungspolitik stets danach ausrichten, wie sich die Mehrheit der Schutzsuchenden verhält. Die vielen Einzelfälle dürfen nicht den Blick darauf verstellen, dass es immer noch den meisten Deutschen gut geht, und es ist diese vergessene Mehrheit für die sich unsere Kanzlerin mit ihrer Politik der sperrangelweit offenen Grenzen unermüdlich einsetzt.